Offener Brief der niedersächsischen Bischöfe an die Landwirt*innen Niedersachsens

17. Juli 2020


Liebe Landwirt*innen und Vertreter*innen der Landwirtschaftsverbände und -Gruppen,

was wir aktuell erleben, ist für uns alle nicht nur neu, sondern stellt unser ganzes Land vor besondere Herausforderungen. Bei allen Einschränkungen und Einschnitten, die Menschen wie Betriebe hart trafen und noch weiterhin treffen, dürfen wir uns glücklich schätzen, über eine intakte Versorgung zu verfügen. Das gilt gerade auch für die Lebensmittelversorgung. Die Bedeutung der Ernährungssicherheit könnte nicht deutlicher zutage treten als es aktuell der Fall ist. Denn Lebensmittel sind Mittel zum Leben. Doch auch im Bereich der Landwirtschaft erleben wir die Auswirkungen der Coronakrise, indem z.B. Sonderkulturbetriebe ihre Feldfrüchte nicht in Gänze pflanzen, säen oder ernten können und in einigen Bereichen die Preise sinken oder aber die Produktionskosten deutlich steigen.

Für Ihrer aller Mitwirkung daran, dass die Menschen in unserem Land täglich frische Lebensmittel einkaufen und genießen können, danken wir Ihnen von Herzen.

Eine hohe Wertschätzung für Lebensmittel und die Menschen, die diese Lebensmittel erzeugen, ist für uns eine wesentliche Grundlage des Dialogs im ländlichen Raum. Als katholische Kirche bekennen wir uns zu beidem: Erstens zur Schöpfungsverantwortung, d.h. zu nachhaltiger Entwicklung und effizienter Bewirtschaftung und Nutzung der natürlichen Ressourcen Boden, Luft und Wasser in Verbindung mit einer bewussten Verantwortung des Menschen für das Tier. Zweitens zur Anerkennung der existenziell bedeutsamen Rolle der Landwirtschaft für unsere ländlichen Räume und die Lebensmittelversorgung und daraus resultierend zur Stärkung der landwirtschaftlichen Betriebe auch gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel.

Wir sehen die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Betriebe nach zwei Dürresommern und wir blicken mit Sorge auf das aktuelle Wettergeschehen. Extreme Wetterlagen nehmen zu. Zudem erhöhen politische Entscheidungen der letzten Monate bei vielen Landwirt*innen Niedersachsens ihre Existenzsorgen. Sie zeigen das insbesondere durch Demonstrationen, Mahnfeuer und das Aufstellen der grünen Kreuze, aber auch in vielen Diskussionen mit politisch Verantwortlichen und in unterschiedlichen Medien. Wir begrüßen Ihr gesellschaftliches Engagement und sind dankbar für ihre so deutlich sichtbar werdende Bereitschaft zum Dialog. Wir alle wissen, das ist nicht immer einfach in unserer anspruchsvollen Gesellschaft.

Wir anerkennen die Wichtigkeit der heimischen Produktion von Lebensmitteln und die vielen Leistungen der Landwirtschaft auch in der Landschaftspflege in unseren Dörfern. Und Ja: Wir begrüßen grundsätzlich die neue und hohe gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Miteinander von Mensch, Tier und Natur. Die Bewahrung der Schöpfung gehört zur „DNA“ der Kirche. Gleichzeitig erkennen wir in der Radikalisierung der Diskussion Gefahren für den respektvollen Umgang miteinander und für die gemeinsame Sache, die uns doch alle verbindet: Das Ziel, im Einklang mit der Natur zu leben und zu wirtschaften und gegenseitig Leistungen anzuerkennen.

Eine von unterschiedlichsten gesellschaftlichen Instanzen angemahnte Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit kann nicht von den Landwirt*innen allein getragen werden. Die immer mehr werdenden Leistungen der landwirtschaftlichen Betriebe für das Gemeinwohl müssen deshalb auch von der Gesellschaft vergütet werden. Dafür wollen wir uns als Katholische Kirche einsetzen. Auf landespolitischer Ebene unterstützen wir den „Niedersächsischen Weg“, in dem Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie Natur- undUmweltverbände sich in einem gemeinsamen Vertrag verpflichten, große Anstrengungen bei Natur- und Artenschutz, bei Biodiversität und beim Umgang mit der Ressource Landschaft zu unternehmen. Auf bundespolitischer Ebene fordern wir menschenwürdigere Arbeits- und Lebensbedingungen für alle in der Wertschöpfungskette unserer Lebensmittel engagierten Menschen.

Dass wir es bei diesen Einschätzungen und unserem Dank nicht bewenden lassen wollen, zeigt unsere Initiative „Runde Tische Kirche und ländlicher Raum“. In der Region Weser-Ems treten an vier regionalen Runden Tischen unter dem Motto „landwärts“ Landwirt*innen, LandFrauen und Landjugendliche mit Vertreter*innen der katholischen Kirche, mit Kommunalpolitik und Wissenschaft in den Dialog. Wir wollen zur Entwicklung unserer ländlichen Räume aus christlicher Perspektive beitragen und erproben Strukturen, um ehrenamtliches Engagement und Beteiligung zu ermöglichen. Damit wollen wir vor allem die für Sie, liebe Landwirt*innen, drängenden Themen in den Fokus rücken. Die katholische Kirche kann auf diese Weise, vor allem über ihre Bildungseinrichtungen, einen wertschätzenden und konstruktiven Dialog ermöglichen, der die Leistung der Landwirtschaft anerkennt, der regional die ländlichen Räume und das Miteinander stärkt und der neue Wege aufzeigt.

Und wir unterstützen auch weiterhin den für so viele junge Menschen prägenden WinterKurs für Landwirt*innen in Oesede und die wichtige Arbeit der Ländlichen Familienberatungen und der landwirtschaftlichen Sorgentelefone in Niedersachsen. Wir sind den Berater*innen sehr dankbar, die sich hier ehrenamtlich engagieren.

Unsere Dörfer, unsere ländlichen Räume, unsere Kirche brauchen die Landwirtschaft. Und die Landwirtschaft braucht Bedingungen, die ihr eine sichere Zukunft garantieren. Dafür wollen wir uns gemeinsam einsetzen. Dies geschieht immer unter dem Leitgedanken der Bewahrung der Schöpfung für alle Menschen, die heute und zukünftig auf unserem Planeten leben. Dies ist uns als Christ*innen aufgegeben.

Seien Sie sicher: Diesen Zukunftsdialog führen wir auf positiv kritische Weise an der Seite der Landwirt*innen, also an Ihrer Seite. Lassen Sie uns weiter konstruktiv, optimistisch und mit dem guten Willen aller daran arbeiten.

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie uns gerne. Bis dahin wünschen wir Ihnen und Ihren Familien vor allem Gesundheit und Ihren Betrieben eine gute Entwicklung.Herzliche Grüße und Gottes Segen,

Ihre
Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück)
Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim)
Weihbischof Wilfried Theising (Vechta)


Bei Rückfragen und Anmerkungen wenden Sie sich gerne an:
Katholische LandvolkHochschule Oesede, www.klvhs.de
Direktor Diakon Johannes Buß, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Stellv. Direktor Johannes Pott, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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