"Hofladen geöffnet"

Unter dem Titel „Regionale Qualität vermarkten – mit Lebensmitteln achtsam umgehen“ fand am Mittwoch, 8. Februar, der erste Direktvermarkter-Tag an der Katholischen LandvolkHochschule (KLVHS) in Oesede statt. Über 50 Gäste kamen, um sich über alternative Vermarktungswege für Lebensmittel zu informieren und angebotene Produkte zu probieren.

Die Veranstaltung war Teil eines Projektes, das der Bundesverband der Bildungszentren im ländlichen Raum mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durchführt. Unter dem Projekttitel „Mittel zum Leben – Bildungsstätten für einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln“ werden Konzepte für Großverbraucher entwickelt, Seminare für Erzeuger und Verbraucher angeboten und Dialoggespräche mit politischen Entscheidungsträgern geführt.

Ziel ist es, die Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln zu steigern und Lebensmittelverluste deutlich zu verringern. Außerdem soll ein respektvoller Dialog zwischen Verbrauchern und Erzeugern von Lebensmitteln gefördert werden. „Während in vielen Teilen der Erde Lebensmittel ein knappes Gut sind, werden bei uns 18 Millionen Tonnen jährlich entsorgt“, führte Peter Klösener, Projektkoordinator, in die Projektvorstellung ein. Daher müsse hier unbedingt etwas geschehen. Die Federführung des bundesweiten Projektes liegt bei der KLVHS Oesede.

2017 02 08 Generalvikar Mittel zum Leben kleinAls Gastredner leitete Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, gedanklich die Veranstaltung ein. Ausgehend von theologischen Überlegungen zum Verhältnis zwischen Menschen und Tieren und dem Umgang mit Natur und Umwelt schlug er einen Bogen zu den besonderen Aufgaben, die Landwirte als Erzeuger von Lebensmitteln, aber auch als „Gärtner der Kulturlandschaft“ haben. Gerade die kulturellen, sozialen und ökologischen Aspekte, die eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung beachten müsse, fänden im Modell des bäuerlichen Familienbetriebes Platz, so der Generalvikar.

Die Kulturlandschaft und nicht zuletzt die dörfliche Gemeinschaft vieler Orte hänge von einer bäuerlichen Landwirtschaft entscheidend ab. Um diese zu schützen, müsse es ein Umdenken geben. Eine Konzentration auf rein ökonomische Aspekte der Lebensmittelerzeugung führe auf Dauer zum Aussterben der bäuerlichen Landwirtschaft und damit des ländlichen Raumes, machte Paul deutlich.

Im Anschluss stellten fünf junge Unternehmer ihre Produkte und Geschäftsideen zum Thema Direktvermarktung vor. Die fast schon klassische „Milchtankstelle“ von Patrick Löcken aus Dreierwalde war vor allem bei den anwesenden Milchviehhaltern von Interesse. Nele Kolkmeier aus Osnabrück Atter stellte den Hofladen ihrer Familie vor, in dem neben Hausmacherwurst, Schinken und Eiern und vielem Weiterem auch Käse aus der hofeigenen Milch verkauft wird. Wilhelm Jacob aus Hüde berichtete von den Erfahrungen auf den Wochenmärkten der Region. Dort vermarktet er mit seiner Familie die Produkte der eigenen Hofkäserei. Zum Thema Vermarktung der Schweine aus dem eigenen Maststall bot Gereon Albers neue Ideen an. Er bewirtschaftet zusammen mit seinem Vater einen Betrieb mit Schweinezucht und -mast im emsländischen Lengerich. Auch Harm Böckmann schlägt mit seiner Marke „Supermeatboy“ in die Kerbe alternativer Vermarktungsformen. Der Geschäftsführer des jungen Start-Ups aus Vechta setzt bei seinen Fleischprodukten auf echte Transparenz. So lässt sich jede Wurst per Trackingcode zurückverfolgen: Über den Handel, die Verarbeitung bis zurück in den Stall des Bauern.

Am Ende des Tages durfte eine ausgiebige Verkostung der Produkte natürlich nicht fehlen und so wurde bei Bockhornklee-Bergkäse aus Osnabrück und Parmesan-Mettwurst aus Vechta noch lange gefachsimpelt.

Zufrieden zeigte sich auch Johannes Buß, Leiter der KLVHS Oesede, mit der Veranstaltung. Im nächsten Jahr soll diese noch ausgeweitet werden und eine jährliche stattfindende Plattform für Landwirte darstellen, die die Vermarktung ihrer Produkte wieder selbst in die Hand nehmen wollen.

 

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