"Trialog" der LandvolkHochschule


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Ein Projekt in der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Mit dem Projekt „Trialog“ will die Katholische LandvolkHochschule bewusst ein Bildungsprojekt innerhalb der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ realisieren. Das Projekt soll über den eigentlichen Projektzeitraum hinaus Impulse setzen, Bildungsprozesse im Sinne der Nachhaltigkeit initiieren sowie Kommunikation und Vernetzung der an den Produktkreisläufen von Lebensmitteln und Energie beteiligten Gruppierungen langfristig etablieren.
„Trialog“ will das Bewusstsein für die Notwendigkeit umweltgerechten Wirtschaftens sowie die Kenntnisse über umweltgerechtes Verhalten und umweltgerechte Entscheidungen in allen Phasen von Energie- und Lebensmittelkreisläufen bei den entsprechenden Akteuren und Entscheidungsträgern vermitteln. Die Basis für diesen Vermittlungsprozess ist in verschiedenen Settings zu sehen, die ein konkretes und persönliches Zusammentreffen der Vertreter/-innen von Erzeugern, Handel und Verbrauchern ermöglichen und eine kommunikative Auseinandersetzung der Betreffenden beinhalten. Die jeweiligen Zielgruppen werden interaktiv an der Auseinandersetzung mit einer umweltgerechten Ausrichtung ihres Handelns beteiligt, lernen die Vertreter/-innen der anderen an den Produktkreisläufen beteiligten Gruppen persönlich kennen, reflektieren deren Einstellungen im persönlichen Gespräch und erörtern mit ihnen zusammen die notwendigen Schritte für ein umweltgerechtes Verhalten und Wirtschaften.
Auf diese Weise wird den am Projekt beteiligten Gruppierungen verdeutlicht, welchen Stellenwert biologischer Anbau, regionale Beschaffung und die Berücksichtigung regenerativer Energien für den Erhalt der Umwelt haben. Darüber hinaus werden gruppenübergreifend und praxisbezogen Hintergründe vermittelt, die für die Berücksichtigung umweltgerechten Wirtschaftens aus Sicht der jeweiligen Gruppe relevant sind (wirtschaftliche Sichtweise, strukturelle Zusammenhänge, gesetzliche Rahmenbedingungen, vertragsrechtiche Besonderheiten etc.)
Wesentliches Merkmal des Bildungsmanagements innerhalb von „Trialog“ ist die wechselseitige Einbeziehung von Repräsentanten/-innen der oben benannten Instanzen und Personengruppen aus dem Wirtschaftskreislauf bei den jeweiligen Maßnahmen. So sollen beispielsweise Bildungsveranstaltungen für Vertreter/-innen aus dem Bereich der Gastronomie unter direkter Beteiligung von Personen aus dem Bereich der Produkterzeugung und potenziellen Nutzern/-innen gastronomischer Angebote durchgeführt werden. Entsprechend werden wiederum Seminare für Endverbraucher/-innen unter Einbeziehung von Vertretern/-innen aus Produktion und Einzelhandel bzw. Gastronomie durchgeführt.
Auf diese Weise wird das Verständnis für eine umweltgerechte Ausrichtung der eigenen Lebensführung bzw. für eine umweltgerechte Orientierung des eigenen wirtschaftlichen Unternehmens insbesondere deshalb gefördert werden, weil Vermittlungsinhalte immer dann als glaubwürdig und authentisch wahr-genommen werden, wenn sie „aus erster Hand“ präsentiert und erläutert werden und wenn die Zielgruppe der Bildungsveranstaltung mit den Inhalten der Wissensvermittlung auch konkrete und glaubwürdige Personen aus eigenem Erleben verbindet.
Wesentliche Umsetzungsbestandteile zur Erreichung der Zielsetzungen sind insgesamt 21 Seminarveranstaltungen für die drei Personengruppen (Säulen) des Projekts unter wechselseitiger Einbeziehung der jeweils anderen Säulen. In insgesamt über 70 Seminartagen werden fast 600 Vertreter/-innen von Erzeugern, Handel und Verbrauchern erreicht, die wiederum als Multiplikatoren/-innen in ihrem sozialen und beruflichen Umfeld wirken.
Die Seminare werden ergänzt durch mindestens drei Säulen verbindende Veranstaltungen, im Rahmen derer jeweils die Ergebnisse aus den Seminarangeboten unter Beteiligung von dort involvierten Personen präsentiert, reflektiert und zu weiteren Projektschritten öffentlichkeitswirksam gebündelt werden. Mit den Säulen übergreifenden Veranstaltungen werden insgesamt etwa 300 Teilnehmer/-innen erreicht, die in ihren jeweiligen Umfeldern (Betrieb, Verband, Verein, Institution etc.) für eine Multiplikation der Projektinhalte sorgen.

Das drückt sich in folgenden Teilzielen aus:

  • Verbraucher
    • setzen sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Umwelt und ihrer eigenen Rolle in diesem Zusammenhang auseinander,
    • bilden eine reflektierte eigene Position zur umweltgerechten Haushaltsführung und zur Gestaltung umweltgerechter Energie- und Lebensmittelkreisläufe,
    • erkennen ihre Einflussmöglichkeiten auf Energie- und Lebensmittelkreisläufe,
    • formulieren ihre Wünsche und Forderungen an Handel und Erzeuger,
    • kommunizieren ihren Anspruch an umweltgerechtes Wirtschaften unmittelbar mit Vertretern/-innen von Handel und Erzeugern,
    • erhalten konkrete und praxisnahe Hintergrundinformationen bezüglich der Umweltrelevanz des Wirtschaftens in den Bereichen Handel und Erzeuger,
    • nutzen auch künftig entstandene persönliche Kontakte zum Trialog.
  • Handel
    • setzt sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Umwelt und seiner eigenen Rolle in diesem Zusammenhang auseinander,
    • bildet eine reflektierte eigene Position zur umweltgerechten Gestaltung des Handels,
    • erkennt Einflussmöglichkeiten auf Energie- und Lebensmittelkreisläufe,
    • formuliert seine Wünsche und Mitteilungen an Erzeuger und Verbraucher,
    • kommuniziert seinen Anspruch an umweltgerechtes Wirtschaften unmittelbar mit Vertretern/-innen von Erzeugern und Verbrauchern,
    • erhält konkrete und praxisnahe Hintergrundinformationen bezüglich der Berücksichtigung des Umweltschutzes in der Erzeugung,
    • erfährt in der persönlichen Auseinandersetzung die Wünsche und Positionen der Verbraucher hinsichtlich umweltgerechten Wirtschaftens,
    • nutzen auch künftig entstandene persönliche Kontakte zum Trialog. 
  • Erzeuger
    • setzen sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Umwelt und ihrer eigenen Rolle in diesem Zusammenhang auseinander,
    • bilden eine reflektierte eigene Position zur umweltgerechten Gestaltung der Erzeugung,
    • erkennen Einflussmöglichkeiten auf Energie- und Lebensmittelkreisläufe,
    • formulieren ihre Wünsche und Mitteilungen an Handel und Verbraucher,
    • kommunizieren ihren Anspruch an umweltgerechtes Wirtschaften unmittelbar mit Vertretern/-innen von Handel und Verbrauchern,
    • erhalten konkrete und praxisnahe Hintergrundinformationen bezüglich der Berücksichtigung des Umweltschutzes im Handel,
    • erfahren in der persönlichen Auseinandersetzung die Wünsche und Positionen des Handels und der Verbraucher hinsichtlich umweltgerechten Wirtschaftens,
    • nutzen auch künftig entstandene persönliche Kontakte zum Trialog.

Grundlegende Elemente jeder Bildungsveranstaltung sind folgende Fragestellungen und Prozessschritte aus Sicht der Teilnehmer/-innen:

  • Welche Bedeutung kommt dem Erhalt der Umwelt für das menschliche Leben zu?
  • Welchen konkreten Einfluss auf meine persönliche Lebensqualität und die meiner Familie hat eine intakte Umwelt?
  • An welchen Stellen komme ich in meinem persönlichen Leben und in der von mir ausgeübten Funktion mit relevanten Faktoren für den Schutz der Umwelt in Verbindung?
  • Wie beurteile ich mein eigenes Agieren und das der Menschen in meinem direkten privaten und beruflichen Umfeld hinsichtlich umweltfördernder Maßnahmen und Entscheidungen?
  • Welche Einschätzungen und Erwartungen gibt es innerhalb meiner eigenen Gruppe (Erzeuger – Handel – Verbraucher) zu diesem Agieren und wie stehen jeweils Vertreter/-innen der anderen Gruppierungen dazu?
  • Welche persönlichen, wirtschaftlichen, strukturellen oder anders gearteter Zwänge scheinen das Potenzial umweltfördernden Agierens bei mir und in meiner Umgebung zu begrenzen?
  • Erscheinen die wahrgenommenen Grenzen auch bei näherer Betrachtung unverrückbar oder sind hier Modifizierungen möglich?
  • Unter welchen Voraussetzungen wäre eine Veränderung meines Agierens und des Agierens in meinem beruflichen Umfeld in Richtung einer konsequenteren Umweltförderung möglich?
  • Welche strategischen und operationalen Schritte sind zu tun, um (scheinbare) Hemmnisse und Barrieren für ein umweltgerechteres Verhalten zu beseitigen bzw. zu minimieren?
  • Welche Bündnispartner können hilfreich sein, um die Rahmenbedingungen für mich und die Akteure in meinem Umfeld entsprechend zu verbessern?
  • Wie kann es gelingen, Erreichtes zu stabilisieren und in die weitere Lebensführung- und Betriebsführung als festen Bestandteil nachhaltig einzubinden?
  • Wie können die Zielsetzungen und die erreichten Schritte öffentlich gemacht werden, um ein nachahmenswertes Beispiel zu bilden?
  • Auf welche Art können wir die Erfahrungen und Erkenntnisse gesichert weitergeben?
  • Wie können die getroffenen Vereinbarungen dokumentiert und nachhaltig gesichert überprüfbar gemacht werden?
  • Welche Gewinne habe ich persönlich / welche Gewinne hat meine Gruppe bzw. mein Berufsstand durch die konsequentere Berücksichtigung umweltgerechteren Verhaltens?

Die Anliegen der UN-Dekade:

Die Vereinten Nationen (UN) haben für die Jahre 2005 bis 2014 die Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgerufen. Die UNESCO wurde international mit der Koordinierung der Dekade beauftragt. Mit dieser Weltdekade signalisieren die Vereinten Nationen und die UNESCO: Nachhaltige Entwicklung betrifft alle. Wir stehen vor großen Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden können. Wir haben die Verantwortung und die Möglichkeit, unser Leben so zu gestalten, dass alle gut leben können – zukünftige Generationen ebenso wie Menschen in anderen Teilen der Welt. Um weltweit das dafür notwendige Denken und Handeln zu entwickeln und zu stärken, zu verbreiten und dauerhaft zu verankern, bedarf es einer umfassenden globalen Bildungsinitiative.

Das Ziel der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ist es, allen Menschen Bildungschancen zu eröffnen, die es ermöglichen, sich Wissen und Werte anzueignen sowie Verhaltensweisen und Lebensstile zu erlernen, die für eine lebenswerte Zukunft und eine positive gesellschaftliche Veränderung erforderlich sind (UNESCO 2005). Alle Mitgliedstaaten der UNESCO sind aufgefordert, sich auf nationaler Ebene mit allen Kräften für dieses Ziel einzusetzen. (vgl. BNE-Portal)

Zum Hintergrund:

Nachhaltige Entwicklung ist ein herausragendes Ziel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Anlass liegt weit zurück: Es sind die seit den 1960er Jahren vielfach beobachteten ökologischen Krisen sowie die Kritik an der ungerechten Verteilung der Lebenschancen der Menschen in der Welt.
Auch der Verlust der Biodiversität, Umweltschäden, der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen, der Klimawandel und die Konsumgewohnheiten machen eine nachhaltige Entwicklung notwendig. Ebenso gehen die ungerechte Verteilung der Reichtümer der Erde und die geringen Entwicklungschancen von Ländern und Menschen in der sogenannten Dritten Welt mit der Befürchtung einher, dass sich die künftigen Zustände ohne einen grundlegenden Wandel im Verhalten und den Einstellungen der Wirtschaft, der Politik und jedes Einzelnen noch verschlimmern.
Daher wird eine doppelte Strategie benötigt: Es müssen einerseits die natürlichen Grundlagen für das menschliche Leben heute wie auch in Zukunft gesichert werden. Andererseits darf dies aber nicht zum Verzicht auf einen ökonomischen Aufschwung führen, denn damit wären die Chancen dramatisch eingeschränkt, einen verbesserten Lebensstandard und Wohlfahrt für alle zu erreichen.
Die Strategie, die einen Weg aus der Falle von Ungerechtigkeit, riskanter, Natur verbrauchendem und zerstörendem Wachstum und der Notwendigkeit von ökonomischer wie sozialer Entwicklung heißt: nachhaltige oder zukunftsfähige oder auch dauerhaft umweltgerechte Entwicklung. In Deutschland wurde das Prinzip Nachhaltigkeit 1994 als Staatsziel im Grundgesetz verankert.
Nachhaltige Entwicklung setzt weitreichende Veränderungen in den Lebensweisen der Menschen voraus. Notwendig ist ein tief gehender Wandel in den herrschenden Produktionsformen und im Konsumverhalten. Dieser Wandel muss bei jedem Einzelnen, lokal, national wie weltweit stattfinden.

Zum Verständnis von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE):

Wenn es um veränderte Einstellungen im Verhalten geht, dann müssen diese erfahren, erlernt und gelebt werden. Die Agenda 21, das Abschlussdokument der Weltkonferenz zu Umwelt und Entwicklung (Rio 1992) plädiert deshalb in Kapitel 36 für die Neuausrichtung der Bildung auf eine nachhaltige Entwicklung. Es heißt dort: „Um wirksam zu sein, soll sich eine umwelt- und entwicklungsorientierte Bildung/Erziehung sowohl mit der Dynamik der physikalischen/biologischen und der sozioökonomischen Umwelt als auch mit der menschlichen (evtl. auch einschließlich der geistigen) Entwicklung befassen, in alle Fachdisziplinen eingebunden werden und formale und nonformale Methoden und wirksame Kommunikationsmittel anwenden“.
Damit wird ein Lern- und Handlungsfeld umrissen, das unter dem Begriff „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE, englisch: Education for Sustainable Development“) bekannt ist. BNE soll die Menschen in die Lage versetzen, sich aktiv mit Problemen von nicht nachhaltigen Entwicklungsprozessen auseinander setzen und sich an Kriterien der Nachhaltigkeit im eigenen Leben orientieren und nachhaltige Entwicklungsprozesse gemeinsam mit anderen lokal wie global in Gang setzen zu können. Um dieses alles leisten zu können, benötigt man vielfältige Kompetenzen. Kompetenzen zu besitzen heißt, über Problemlösungsfähigkeiten zu verfügen, die für die Gestaltung der komplexen persönlichen, gemeinschaftlichen, lokalen, nationalen und globalen Herausforderungen einer (nicht) nachhaltigen Entwicklung notwendig sind. Außerdem bedeutet es einen Beitrag dazu zu, ein gutes, an Gerechtigkeit orientiertes Leben führen zu können.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) dient speziell dem Gewinn von Gestaltungskompetenz. Mit Gestaltungskompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen zu können. Das heißt, aus Gegenwartsanalysen und Zukunftsstudien Schlussfolgerungen über ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit ziehen und darauf basierende Entscheidungen treffen, verstehen und individuell, gemeinschaftlich und politisch umsetzen zu können, mit denen sich nachhaltige Entwicklungsprozesse verwirklichen lassen.

Gestaltungskompetenz lässt sich in zwölf Teilkompetenzen aufgliedern, die sich wiederum übergreifenden Schlüsselkompetenzen (orientiert an der OECD) zuordnen lassen.
Im Überblick ergibt sich eine
pdf tabellarisch dargestellt Übersicht über die Gestaltungskompetenz und ihre Teilkompetenzen (zit. n. de Haan, G. u.a.: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Grundlagen und schulpraktische Konsequenzen. Berlin, Heidelberg 2008, S. 188).

Weitere Informationen zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" gibt es hier: http://www.bne-portal.de/

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